FRAUENHILFE IN HÖRDE

Ein Blick in die Geschichte der Evangelischen Frauenhilfe Hörde

Am 7. März 1906 wurde in Witten die „Westfälische Frauenhilfe“ gegründet, der sich alle Frauenvereine der Kirchenprovinz anschlossen. So auch der Frauenverein der evangelischen Gemeinde Hörde, der erstmals schon 1864 mit der Entstehung des Krankenhauses Bethanien erwähnt wird.

„Das richtig erkannte Bedürfnis,“ schrieb damals der Hörder Pastor Büsche, „rief im Jahr 1864 einen Frauenverein ins Leben, welcher durch Gaben der Liebe […] leibliches Elend und geistige Versunkenheit aufzuheben suchte.“

Näheres über die Vereinsarbeit geht aber erst aus einem Protokolllbuch hervor, in dem unter dem 15. Juni 1903 erwähnt wird, daß sich die Mitglieder des Frauenvereins in der Kleinkinder-Schule „Bethlehem“ in der Wiesenstraße (Bollwerkstr.) versammelt haben, um den Verein zu erweitern und ihm durch zeitgemäße Statuten „ein festes Gefüge zu geben.“

Zu den besonderen Aufgaben des Vereins gehörte die Krankenpflege, bedürftigen Kindern zu helfen und sie mit selbst angefertigter Wäsche und Kleidung zu versehen. Um diese Aufgaben erfüllen zu können, mußte ständig Geld aufgebracht werden. Neben Zuschüssen der Stadt Hörde, die noch über keine kommunale Fürsorge verfügte, waren es freiwillige Spenden des Handels und Industrie sowie Erlöse aus gemeindlichen Veranstaltung, die das diakonische Anliegen des Frauenvereins unterstützten.

Ständig bemühte sich der Verein, neue Mitglieder zu werben, mitunter auch durch die Tageszeitung. Da war dann die Aufforderung zu lese, daß „alle Frauen und großjährigen Jungfrauen der evangelischen Gemeinde Hörde“ dem Frauenverein beitreten möchten. Die Zusammenkünfte fanden in der Kleinkinder-Schule in der Wiesenstraße statt.

Am 29. Januar 1914 wurde der Frauenverein im Sinne der „Frauenhülfe“ neu gegründet und organisiert. Der Tag gilt daher als der Geburtstag der heutigen Hörder Frauenhilfe.

Hatten sich bisher die Aufgaben hauptsächlich auf die praktische und materielle Betreuung der Hilfsbedürftigen beschränkt, so wurde nun auch verstärkt die seelische Zuwendung an die Gemeindemitglieder berücksichtigt.

Inzwischen gab es in jedem der damals drei Hörder Pfarrbezirke einen Frauenhilfekreis. In jedem Bezirk bestand eine Nähabteilung, in der auch Nähkurse für junge Mädchen abgehalten wurden.

Neue Aufgaben kamen mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges auf die Frauenhilfe zu. Für die Soldaten wurden Liebesgaben gesammelt, Wäsche und Verbandsmaterial für nahegelegene Lazarette beschafft und Kleidersammlungen für die im Kriegseinsatz stehenden Frauen wurden veranstaltet. Frauenarbeit, vor allem in den Frabriken, hatte es bis dahin bei uns kaum gegeben.

Als 1929 durch die plötzlich einsetzende Wirtschaftskrise viele Hörder Arbeiterfamilien in Not gerieten, richtete die Frauenhilfe im damaligen Ledigenheim am Remberg eine Volksküche ein.
Die politischen Veränderungen durch die NS-Machtübernahme im Jahre 1933 machten sich selbst in der Frauenhilfe bemerkbar.

Während die Frauenhilfskreise im Süd- und Westbezirk im Sinne der Bekennenden Kirche geleitet wurden, versuchte der Pfarrer des Nordbezirks, der der „Glaubensbewegung Deutsche Christen“ angehörte, die Frauenhilfe seines Bezirks in den vom Staat bevorzugten „Frauendienst“ zu lenken. Dank der bekenntnistreuen Haltung des überwiegenden Teils der Frauen des Nordbezirks aber hatte der Versuch nur geringen Erfolg. Zwar spaltete sich der Kreis, doch die meisten Frauen mit der Vorsitzenden Frau Helms blieben der Bekennenden Kirche treu.

Trotz der großen Einschränkungen, unter denen nach 1945 die Gemeinde zu leiden hatte, war das Gemeindeleben lebendiger denn je. In allen Kreisen war ein Aufblühen nach der Zeit der niederdrückung deutlich spürbar, besonders in der Frauenhilfe. Am 1. Juni 1947 kam es zur Gründung der Hörder Gesamtfrauenhilfe. Damit wurden die Kreise der drei – seit 1948 vier – Pfarrbezirke in die „Evangelische Frauenhilfe Dortmund-Hörde“ überführt, die alle Rechte und Pflichten der Mitglieder übernahm.

Schon zu Beginn der 50er Jahre aber wuchs in der Frauenhilfe die Sorge um den Nachwuchs. Die Überalterung wurde beklagt, die Bemühungen um neue, jüngere Mitglieder schwieriger. Und dennoch: Das Leben ging auch in der Frauenhilfe weiter. Sie sieht auch heute wie damals das Ziel ihrer Arbeit stets darin, die evangelische Frau in den Dienst der Gemeinde zu stellen und das Leben in der Kirche wach zu halten.
Walter Gronemann

Nach „Fusionen“ der Frauenhilfen Nord und Ost sowie Süd und West und der Aufgabe der Kirchengebäude „Adventkirche“ und „Dietrich-Bonhoeffer-Haus“ treffen sich derzeit die drei bestehenden Frauenhilfen „Advent“, „Nord-Ost“ und „Süd-West“ alle 14 Tage mittwochs von 15 – 17 Uhr im Gemeindehaus, Wellinghofer Str. 21. In der Regel tagen die drei Kreise getrennt und sind autonom, zu besonderen Gelegenheiten feiern alle Mitglieder auch zusammen.

Ansprechpartnerin von pfarramtlicher Seite ist
Pfarrerin Susanne Schröder-Nowak.